Seit fast einem Monat hängen sehr interessante Bilder in unserer Bibliothek, und zwar von Riina-Ingel. Im Paabel sieht man sie in letzter Zeit nicht so oft, aber die meisten vom dritten Studienjahr kennen sie ganz gut.
Nun könnt auch ihr sie besser kennenlernen!
Alter: 21
Geboren in: Tartu
Studiert: an der Universität Tartu, Germanistik als Hauptfach und Kunst als Nebenfach
Du bist in Tartu geboren und lebst jetzt wieder hier. Wo warst du inzwischen?
Geboren bin ich hier. Als ich drei oder vier Jahre alt war, zogen wir nach Ahula um (das ist bei Aravete), danach zurück nach Tartu, dann nach Tallinn, dann für einen Sommer nach Riga. Das Gymnasium habe ich in Tallinn besucht, jetzt bin ich zurück an der Uni in Tartu.
Ein Sommer in Riga. Kannst du etwas auf Lettisch sagen?
Jetzt erinnere ich mich an gar nichts mehr, aber ich konnte sagen „ich bin aus Estland” und „bitte zur Polizei” falls ich mich verirrt hätte. Damals war ich ja auch noch ziemlich klein.
Wo möchtest du noch leben?
In Deutschland wäre es bestimmt schön. Und vielleicht Kanada… ich möchte eigentlich so viel von der Welt wie möglich sehen.
Warum hast du dich für Germanistik entschieden?
Eeeemm, naja… das ist einfach so passiert. Ich habe es versucht und geschafft. Veni, vidi, vici. Die deutsche Sprache finde ich gut, obwohl ich sie früher für sehr hässlich und robust hielt. Die neuere deutschsprachige Literatur hat mich sehr beeinflusst. Sie ist eine von denen, die mich emotional am meisten berühren.
Und warum Kunst?
Im ersten Jahr schien Germanistik mir zu langweilig und trocken, weil die meisten Fächer mit der Sprache und wenige mit Literatur zu tun hatten. Ich habe mich entschieden, zusätzlich etwas Kreatives zu machen, damit ich mich nicht langweile. Bisher bin ich sehr zufrieden :)
Ich könnte mir auch nicht vorstellen, nur eines von beiden zu studieren, denn Germanistik und Kunst ergänzen einander.
Du hast viele interessante Hobbys, hat ein Vöglein mir gezwitschert…
Ich habe sehr viel gemacht, manches nur für kurze Zeit und manches, das schon vergessen ist. Aber sieben Jahre lang habe ich mich zum Beispiel mit Ballett beschäftigt, damit habe ich jetzt wieder angefangen.
Deine Kreativität ist auch an dir sichtbar – Handschuhe, Schmuck, Kleider… und.. eee… Stühle?
Ich habe eine ziemlich große Kollektion von Handschuhen (und zwar 24 Paar). Meine Oma strickt sie mir, oder ich kaufe mir welche und verändere sie dann nach meinem eigenen Geschmack.
Viel von meinem Schmuck ist auch selbstgemacht, ich habe einen Haufen Ideen für Schmuck in meinem Kopf. Leider ist die Zeit einer Studentin immer knapp.
Kleider nähe ich mir auch oft selber, aber nicht nach Schablonen, sondern nach meinen eigenen alten Kleidern. Mein Bruder meint dazu, dass ich mir Kleider an den Leib baue.
Mir gefällt es, alte Stühle neu zu gestalten. Restaurieren würde ich das nicht nennen, eher fine tuning.
Was malst du gerne?
Menschen. Ich male mich selbst, weil ich mein eigenes kostenloses Modell sein kann. Ich mag konzeptuelle Kunst – es ist langweilig etwas zu malen, wenn kein tieferer Sinn dahinter steckt und es nur als Verschönerung der Umgebung dienen soll.
Die Ausstellung im Paabel…
…kam ins Leben, weil Kaie die Idee dazu hatte. Sie hat mich danach gefragt und ich war einverstanden. Die Bilder sind Akte von Frauen, weil so etwas leichter fürs Auge ist. In einer Bibliothek muss man sich ja konzentrieren können.
Jedes Bild hat natürlich auch seine eigene Idee, deswegen auch der Name „Zustand” für die Ausstellung.
Und wann kommt die nächste Austtellung?
Das weiß man nie… ich habe einige Pläne, aber mal sehen.
Ein Jahr können wir dich noch im Paabel sehen, oder?
Ja, ich hoffe fleißig zu sein und am Ende der Studienzeit zwei Bakkalaureisarbeiten schreiben zu können. Das Thema sollte entweder ein Vergleich von Film und Buch sein oder über ein Buch, das mich inspiriert hat.
Eigentlich gefällt mir auch das Übersetzen, das habe ich neulich im Seminar für schriftliche Übersetzung entdeckt. :)
Entweder oder:
Stadt oder Land?
Im Moment Stadt, weil ich noch jung bin, herumkommen und am Leben teilnehmen möchte. Irgendwann, wenn ich älter bin, vielleicht Land. Wenn aus mir dann nicht schon ein chronischer Stadtmensch geworden ist.
Winter oder Sommer?
Kompliziert. Im allgemeinen Sommer, aber in Estland ist es im Sommer kalt und es regnet. Ich mag auch Schnee, aber auch im Winter ist in Estland kaltes Regenwetter. Also… tjach J. Jede Jahreszeit hat etwas Schönes.
Film oder Buch?
Hängt von der Situation ab. Wenn der Film gut ist, dann der Film, wenn nicht, bevorzuge ich das Buch. Es ist leichter, sich einen Film anzusehen, weil vieles schon fest steht und man weniger Fantasie anwenden muss. Die Fantasie wird im Großteil schon in eine bestimmte Bahn geführt.
Ein Buch hingegen kann man überall hin mitnehmen und ist es gut geschrieben, macht Lesen Spaß. Wenn die Sprache schon gut ist, muss in der Narrative nicht viel passieren. Im Roman „Die Straße“von Cormac McCarthy zum Beispiel wandern durchs ganze Buch Vater und Sohn auf einer Straße und essen aus Dosen. Das Buch ist supergut! :)
Buchtipp?
Mich interessieren Bücher, die mehrdimensional sind. Es muss eine philosofische, psychologische Ebene geben. Das Buch dürfte nicht zu deprimierend sein, meine Emotionen sind leicht zu beeinflussen.
Neulich habe ich zum Beispiel „Wie es leuchtet” von Thomas Brussig gelesen. Das Buch ist ziemlich chaotisch, aber leicht zu lesen.
Was steht immer in deinem Kühlschrank?
Leere. Schokolade KÖNNTE dauernd drin stehen, so viel Glück habe ich leider nicht. Sojasoße und Marmelade.
Meistens verschwindet alles, was in den Kühlschrank kommt, daher auch wieder schnell.
Und zum Schluss bitte noch ein Tipp für die kommende Examensperiode.
Fangt früher mit dem Pauken an. Mir misslingt das immer :)