Montag, 3. November 2008

Katja Dorsch

Im Herbst fliegen die Kraniche in den Süden und die Deutschen nach Spanien. Zwei nette junge Frauen sind jedoch vom voraussichtlichen Kurs abgewichen und bei uns in Tartu gelandet. Zuerst haben wir näher untersucht, was für ein Wesen ist Katja Dorsch. Die erziehlten Forschungsergebnisse sind folgende:

Name: Katja Dorsch
Alter: 27
Geboren in: Leipzig

Was hast Du studiert?
Deutsch als Fremdsprache, Spanisch und Russisch als Nebenfächer. Dafür habe ich 15, nicht 9 Semester wie üblich gebraucht. Zum Glück haben meine Eltern mich unterstützt.
Ich habe auch in Deutschland unterrichtet, aber nicht beruflich, sondern für Flüchtlinge. Manchmal habe ich auch Freunden Spanisch beigebracht.

Was machst Du hier in Tartu?
Hier bin ich eine Sprachassistentin und unterrichte Deutsch, d.h. Praktische deutsche Sprache und Konversation. Das ist meine erste richtige Arbeit in dem Beruf, den ich gelernt habe.

Und wieso gerade hier?
Erstmal habe ich mich für Tschechien beworben. Ich bin auch in Peru gewesen, und habe ein Praktikum in Moskau gemacht. Jetzt wollte ich Deutschland näher sein. Ich wurde beim Bewerbungsgespräch gefragt, ob Estland mir auch gefallen würde und ich habe intuitiv „ja“ gesagt.

Was wusstest Du über Estland?
Nichts, nicht mal, dass Estland in der EU ist (was mir auch peinlich ist), aber inzwischen bin ich sehr positiv von Estland überrascht.

Deine größte Überraschung in Estland?
Tartu ist klein, aber hat eine super Auswahl an Vergnügungsmöglichkeiten – Theater, Kino, Kneipe. In Leipzig ist es genau so. Die Proportionen sind hier auch anders – für eine Kleinstadtstudentin ist Tartu zu groß, für mich ist Tartu klein. Das Empfinden für die Proportionen ist sehr unterschiedlich. Meine Stadt ist größer als die Haupstadt von Estland! Das ist sehr komisch.

Im Reiseführer steht, die Esten wären sehr verschlossen, sie sind aber sehr freundlich, teils freundlicher als die Deutschen.

Würdest du nochmal herkommen, wenn die Möglichkeit bestehen würde?
Im Urlaub auf jeden Fall. Meiner Mutter und meinem Freund hat es hier sehr gefallen. Wir haben Estland als Urlaubsland für uns entdeckt. Wir machten einen kleinen Ausflug nach Tallinn, Tartu und den Peipussee entlang. Ich könnte mir vorstellen, hier zu leben, obwohl die Gehälter wahrscheinlich nicht so gut sind.
Auf der anderen Seite ist Estnisch eine schwere Sprache, aber weil ich Deutschmuttersprachlerin bin, ist es für mich leichter.

Was vermisst Du an Deutschland?
Meinen Freund – das einzige, warum mir das Regenwetter nicht gut bekommt. Eigentlich meine Freunde allgemein. Und Bäckerbrot.

Die Qual der Wahl:
Stadt oder Land?
Die Stadt, weil da viel los ist. Land ist für mich für den Urlaub und Wochenende. Städte haben auch ruhige Ecken und das genügt. Ich brauche meine Infrastruktur und Möglichkeiten, mich zu bewegen. ...aber wenn man zu viele Möglichkeiten hat, wie z.B. in Berlin, ist man überfordert. Auf dem Land ist das soziale Umfeld zu begrenzt, alle wissen, was du machst.

Morgenmensch oder Abendmensch?
Beides. Ich versuche, den Tag nicht zu verschlafen, aber der Abend gehört dir selbst. Ich glaub’ ich bin eher ein Tag- als ein Nachtmensch.

Buch oder Film?
Buch. Ich lese gerne und habe nie einen eigenen Fernseher gehabt. Ich lese viel lieber. Als Kind habe ich immer heimlich mit der Taschenlampe unter der Decke gelesen und habe vielleicht deshalb jetzt auch eine Brille.
Martin Walser „Tod eines Kritikers” lese ich gerade.
Buchtip: Walter Moers „Die Stadt der träumenden Bücher”
Filmtip: Benny and Joon.

Fußball?
Gucken nicht, aber ich habe zwei Jahre gespielt, ich bin nicht sehr talentiert. Aber ich bin kein großer Fussballfan. Ich war nicht enthusiastisch der Weltmeisterschaften entgegen, aber mit Freunden habe ich sie doch geguckt. Der grosse Enthusiasmus und übertriebener Patriotismus ist mir aber zuwider.

Reiseziele:
Ich will auf jeden Fall auf die estnischen Inseln, Estland angucken. Langfristig würde ich gerne einmal auf jedem Kontinent sein. Dann will ich die Länder erkunden, die in der Nähe sind. Eher Osteuropa, aber gerne auch ein bisschen im Süden, da ist es wärmer.

Was steht immer in Deinem Kühlschrank?
Käse. Und ich finde die Quarkcreme (kohupiim) sehr gut, das erinnert mich an die Quarkcreme aus meiner Kindheit, die es in Deutschland heute nicht mehr gibt, oder selten..